AKTUELL    GESCHEHEN    SALON    LEBEN  
   pardon Archiv  |   Impressum  |   Kontakt  



GESCHEHEN  Start  Zurück | Zum nächsten Artikel 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Terror und Theater 1.12.2008
 


Immer mehr Terroristen, mittlerweile zu Ex-Terroristen herabgestuft, kommen aus dem Gefängnis heraus, ohne dass die Gesellschaft oder der Rechtsstaat sich davon in Gefahr gebracht sieht, so dass sich die Frage nach der Angemessenheit von Haftstrafen für Terror stellt.
Ein Praktikum bei Claus Peymann hätte Christian Klar schon vor 26 Jahren haben können und damit durch eine nützliche Tätigkeit Wiedergutmachung geleistet, die ihm zudem vor Augen geführt hätte, dass Theater und Terror vieles gemeinsam haben. Der Aufwand ist in aller Regel größer als die Wirkung, das Publikum ist zumeist abgestoßen, will aber nicht als rückständig dastehen und äußert Verständnis, und die Suche nach einprägsamen Bildern führt zur Überschätzung der eigenen Kraft, während die Akteure hauptsächlich durch Lautstärke in Erinnerung bleiben. In Theater und Terror gelten strenge, von außen nicht durchschaubare Hierarchien, beide arbeiten zudem gern mit Video, nur das Internet spielt im modernen Terror eine größere Rolle als im zeitgenössischen Theater.
Der augenfälligste Unterscheid besteht darin, das Terroristen zuweilen in Hungerstreik treten, wogegen Schauspieler nur ausgemergelt aussehen, um im Charakterfach zu bestehen.
Vor der terroristischen Vorbereitungstätigkeit jedoch hätte Christian Klar bei Peymann keinen Job gekriegt; da könnte ja jeder kommen. Mit Empfehlungsschreiben ging Ulrike Meinhof zurückhaltend um.
Kritiker der Entlassung Klars verkennen, welch eine psychische Belastung es für ihn bedeuten muss, in eine Gesellschaft wiedereingegliedert zu werden, die ihn nicht mehr für gefährlich hält. Man könnte ja immerhin annehmen, dass er herauskommt und die elf Mordversuche vollendet, doch die Justiz traut ihm das nicht zu. Wenn das mal nicht neuen Terror generiert. Eine Demütigung und mangelndes Zutrauen führen mitunter zu Gewaltausbrüchen. Ein Amoklauf am Theater wäre für Peymann noch eine Überraschung.
Auch Claus Peymann wird nicht mehr als gefährlich eingestuft, wird aber für seine Tätigkeit weitaus besser bezahlt, was für Christian Klar ein resozialisierendes und für potentiellen terroristischen Nachwuchs ein präventives Signal darstellt, dass Verbrechen sich nicht lohnt.


 





*  Das Kreuz mit dem „t“
*  
*  Euro
*  Wahlen
*  Kontrolle
*  Seniorenhaft


  AKTUELL    GESCHEHEN    SALON    LEBEN  
   pardon Archiv  |   Impressum  |   Kontakt  
Pardon Magazin
Online-Satirezeitung