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Fortsetzungsgeschichte 29.8.2009
Folge 7
 



Ich beschloss, Politiker zu werden. Ich fühlte mich ausgebrannt. Ich wanderte aufs Land, um wie Che Guevara Bauern zu erschießen, die sich mir nicht anschließen wollten. Zu meiner Enttäuschung drängelten sie, wann es denn endlich losgeht.
 
 

 
 
Um mich zu trösten, schlich ich nachts auf die Pferdekoppeln und stach ein paar Pferde ab. Kein echter Ersatz, ich weiß, ich brauchte es aber.
 
 

 
 
Ich richtete mir ein Trainingscamp ein, erst einmal nur für mich, um meinen Körper wieder in Form zu bringen. Das ist notwendig, um als charismatischer Führer zu wirken.
 
 

 
 
Die Anstrengung tat mir gut, doch ich musste der Versuchung widerstehen, selbst einen Selbstmordanschlag zu verüben. Diese Entsagung sollte mir die spirituelle Kraft geben, die meine Anhänger von mir erwarten dürfen.
 
 

 
 
Im Selbstversuch stellte ich fest, dass ich den Wellness-Bereich lieber nicht für die Kämpfer zugänglich mache, damit ihnen meine Zufriedenheit wichtig bleibt.
 
 

 
 
Meine Lebensgeister kehrten zurück wie ein schon nicht mal mehr vergessen geglaubter Vampir. Mein Therapeut meinte zwar, es sei immer noch eine eigenartige Form der Kulturbereicherung, dass ich mir beim Sex immer eine Explosion von mindestens zehn Stangen Dynamit vorstellen müsse. Ich habe ihm nicht verraten, dass die Vorstellung allein nicht reichte, mir genügte schon, wieder sowohl Explosionen als auch Sex zu haben. Als ich zum zweiten Mal meine dritte Frau heiratete, brachte sie erneut ihre Jungfräulichkeit in die Ehe, wie das blutige Laken bewies, das ich meinen jubelnden Anhängern präsentierte.
 
 

 
 
Das Bedürfnis nach einem spirituellen Führer ist bei den Deutschen sehr ausgeprägt. Sie wollen immer auf der richtigen Seite sein. Wenn ihnen die Ideologie nicht vorgegeben wird, nehmen sie die kritische Haltung gegen die nicht vorhandene Ideologie ein. Das fällt nicht als sinnlos auf, weil es alle mitmachen.
 
 

 
 
Das Personalproblem hatte ich dennoch unterschätzt. Wenn es darum geht, aktiv zu werden, gehen die Diskussionen in die Richtung, warum das gar nicht geht. Ich hätte erwartet, in den SM-Clubs auf Sadisten zu treffen, die ihre Chance auf echten Sadismus suchen. Einer kam auf mich zu und sagte: »Ich will dir wehtun.« Ich sagte: »Ich tu dir gleich weh«, woraufhin er heulend wegrannte. Den ersten ließ ich noch entkommen.
 
 

 
 
Ganz ähnlich die Killerspiele-Spieler. Die Bereitschaft war vorhanden, nur haben diese Trottel im echten Kampf nie das erste Level überschritten. Die landeseigenen Terroristen waren so ausgepowert wie alle. Von denen war höchstens noch ideologische Unterstützung zu bekommen, aber wer braucht so was noch. Ins kollektive Unterbewusstsein hat sich aus deren Zeit nur eingeprägt, den Staat als fremde Macht anzusehen, der eigentlich keine Legitimität besitzt und immer weiter überwachen will, gegen den man aber nichts machen kann, weil das zu anstrengend wäre. Ich konnte meinen Jungs daher die Perspektive geben, ohne eigene Verantwortung die Gesellschaft umzustürzen. Sie nahmen mir ab, für Frieden und Gerechtigkeit zu kämpfen. Wie arm. So was geht wirklich nur in der amerikanisch dominierten Hemisphäre. Fortsetzung folgt


 





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