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Kommentar 23.9.2009
Martin Herrmann
 


Der neueste Amokläufer kam mit Axt und Messer in die Schule, ein Gewaltvideo war also ganz sicher nicht die Trainingsgrundlage. Oder gibt’s Karl May schon als Gewaltvideo? Vielleicht wäre es nie so weit gekommen, wenn sich der Vertrauenslehrer zu einer Blutsbrüderschaft bereit erklärt hätte.
Der Nächste kommt mit Faustkeil und Reibeholz zum Feuermachen. Der hat zuviel Historienschauspiel geguckt. Wie entsteht all diese Gewalt? Das steht in der Apothekenumschau vom 15.9.09. Gastkolumnistin Dr. Marianne Koch erklärt die mörderische Aggressionsbereitschaft von Jugendlichen. Es ginge ihr nicht um diejenigen Jugendlichen, die nach tagelangen Computergewaltspielen in die Schule rennen und Massaker anrichten. Sondern um die anderen – gibt’s die denn? Jawoll, das seien die normalen Kinder und Enkel, die ihre Lebenszeit vor Monitoren zersitzen. Zitiert wird der Hirnforscher und Psychiatrieprofessor Dr. Manfred Spitzer: »Fernsehen macht dick, dumm und gewalttätig.« Allein diese Behauptung, so frisch und fromm in den Raum gerotzt, lässt den Professor als ein dickes Männlein erscheinen, der bis nachts vor dem PC...sorry, Apple hockt und Krankenkassentabellen ausfüllt. Und wehe, jemand platzt ihm dabei ins Arbeitszimmer, dann setzt es aber eine Watschen links und rechts.
Wenn es so ist, dass Fernsehen dick und dumm und gewalttätig macht, dann sollte die Jugend pausenlos fernsehen. Lieber ein Amoklauf von einem dummen Fettsack, der schon nach der ersten Treppe vor dem Sekretariat seinen Herzeinfarkt bekommt, als ein kluges Terrorkonzept eines durchtrainierten Intelligenzbolzens. Jugend vor die Bildschirme!
Frau Dr. Koch rät uns, mit der Jugend einen klaren Zeitrahmen zu vereinbaren, damit sich die Jugend auch in der realen Welt bewege, um soziale Kompetenz zu erwerben. Diese reale Welt sei neben dem Umgang mit wirklichen Freunden der Sport. Ausgerechnet der Sport. Was ist denn am Sport real? Eine Welt, in der 11 ausgewachsene Männer oder Frauen einer aufgeblasenen Lederkugel hinterherpurzelbaumen? Erwachsene, die ungeniert auf den Rasen rotzen und tiefe Schuldgefühle bekommen, wenn sie den Ball mit der Hand berühren? Die sich andererseits nichts dabei denken, wenn sie sich beim Freistoß vor allen Kameras ans Gemächt packen - ans eigene? Die sich gegenseitig gern das Trikot vom Leib zupfen, aber nur wenn’s der Papa Schiedsrichter nicht sieht? Und wenn sie erwischt werden, gesenkten Hauptes das eingespeichelte Spielfeld verlassen, statt erleichtert heimzugehen und den Rechner einschalten für einen netten Chat?
Oder ein Gewaltvideo mit viel Ballerei und Gesprenge. Hockt euch vor den Fernseher, werdet genauso dick, dumm und gewalttätig, wie es eine mit den Medien verbrachte Lebenszeit erlaubt. Das macht demokratiefähig. Jetzt könnt ihr wählen gehen.


 





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