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Tabu 21.4.2011
 


Zwei Bücher, die auf unterschiedliche Weise verschiedene Tabus brechen, werden erwartet und sind bereits von zwei ebenfalls verschiedenen Frauen geschrieben. Das eine ist das Nachfolgebuch zu »Feuchtgebiete« von Charlotte Roche, das andere, aber nicht letztere, von der Politikerin Sahra Wagenknecht und heißt »Freiheit statt Kapitalismus«.
Aus Gründen der Gesellschaftsordnung ist auch das Buch von Sahra Wagenknecht gegen Geld zu erwerben und muss die Unkosten einspielen, daran sieht man schon, wie das Finanzsystem die Freiheit beschränkt. Viele Menschen stehen aus wirtschaftlichen Zwängen vor der Entscheidung, ob sie sich das Buch von Sahra Wagenknecht oder das von Charlotte Roche zulegen. In einer Gesellschaft, die auf Solidarität basiert, könnte sich die Gemeinschaft gegenseitig aushelfen und eine Kopie heimlich herumreichen. Oder allen würde ein Freiexemplar zugeteilt, dafür müssen es auch alle lesen, sonst funktioniert das Gesellschaftsmodell nicht. Als unzumutbar indes gilt eine Zusammenlegung beider Bücher zu »Feuchtgebiete statt Kapitalismus«.
Das bestehende System zu kritisieren, ist immer ein Tabubruch, auch wenn ein solcher derzeit als Bestandteil des Kulturbetriebs erwartet wird und es deshalb nicht weiter auffällt, wenn er über das Feuilletonistische hinausgeht. Der Kapitalismus ist das am heftigsten kritisierte System, die anderen bieten weniger Grund dazu. Sowohl das Buch von Sahra Wagenknecht als auch von Charlotte Roche führen Bewegung der West-68er fort, denen es um die sexuelle Befreiung ging, wofür die ökonomische Grundlagen erstmals gegeben waren, weshalb sie ihre entfesselten Produktivkräfte lieber auf das Sexuelle und damit das Politische richteten.
Auch in »Feuchtgebiete« verübt die Protagonistin Freiheit statt Kapitalismus, wobei man sie sich in keiner anderen Gesellschaft als der bundesdeutschen so vorstellen könnte. Es ist daher zweifelhaft, ob den meisten Lesern die Kapitalismuskritik von Charlotte Roche aufgegangen ist. Ob das Nachfolgebuch ähnlich erfolgreich wird, ist ungewiss, zumal es ja auch noch die immensen Werbeaufwendungen gegenfinanzieren muss, die der Verlag unternimmt. Und die Leser von »Feuchtgebiete«, die noch mehr von Charlotte Roche lesen wollten, bräuchten einfach nur »Feuchtgebiete« zu Ende zu lesen.


 





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