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Ein Waschlappen im Bücherregal 11.2.2008
Rezension: Wasserlachen
aha



Das neue Cartoonbuch »Wasserlachen« von Tobias Schülert ist in der äußerlichen Aufmachung diesen ablutschbaren, knitterfreien Kinderbüchern nicht unähnlich. Ein »Wasserfestes Stoffbuch mit Cartoons fürs Bad«, heißt es und man fragt sich: Verkaufen sich auf Papier gedruckte Bücher nicht mehr? Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Carlsen Verlag hier mehr auf die Form als auf den Inhalt setzt. Was sich nicht bestätigt, denn der am Buchrücken angehängte gelbe Saugnapf, der wohl in Verbindung mit Wasser dazu gedacht war, das Buch dauerhaft an den Badfließen zu befestigen, saugt sich nicht fest.
Dass sich die Wortwitzmanier des Titels »Wasserlachen« nicht im Buch fortsetzt, ist erfreulich. Es folgen 21 Cartoons, in denen Wasser und Badeutensilien mit Alltagszenen oder mit gesellschaftlichen Erscheinungen wie der Suche nach dem Superstar: »Der ist echt lockerer in der Dusche!« verknüpft werden. Eine der besten Einfälle ist die »Wireless Dusche«.
Wer das Buch im Laden entdeckt, wird es wohl kaum für sich selber kaufen. Die wenigen Seiten kann man schnell vor Ort anschauen. Also Verschenken oder fürs eigene Bad mit nach Hause nehmen. Für Gäste, die ein Bad nehmen wollen, könnte das eine interessante Alternative zu den Inhaltsangaben auf den am Badewannenrand verteilten leeren Shampooflaschen sein. Doch Vorsicht: Einfach liegen lassen kann man das Buch da nicht, denn mangels Aufhängung droht es im feuchten Milieu zu verschimmeln.

Tobias Schülert: »Wasserlachen« 16 Seiten, Stoffbuch mit Saugnapf
€ (D) 10,00 / € (A) 10,30 / sFr 17,90
ISBN 978-3-551-68027-3
erschienen im Carlsen Verlag


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Bio-Messe 10.2.2008
Übereinstimmungen in Politiker-Memoiren

Zur letzten Frankfurter und demnächst Leipziger Buchmesse traten und treten wieder unzählige Verlage aus überreichlichen Ländern mit nie dagewesenen Mengen an Neuerscheinungen an, angesichts deren sich der Normalverbraucher fragt: »Wer soll das alles lesen? Ich jedenfalls nicht!«
Die Verlage reagieren auf diese Haltung mit der marktstrategisch ausgefuchsten Methode, Bücher anzubieten, von denen man meint, sie bereits zu kennen, weil es sich um die Autobiographien von politischen Persönlichkeiten handelt, die uns mit ihrem Leben und Wirken ohnehin die ganze letzte Zeit behelligt haben.
Man staunt zwar über die Vielzahl von aktuellen und ehemaligen Politikern und fragt sich: Wen sollen die alle regieren? Doch ihre Biographien stimmen in wesentlichen Punkten überein, was die ganze Sache gleich wieder überschaubar macht. Politiker stammen aus einem einfachen Elternhaus. Die Mutter gehört der bildungsfernen und weltkriegsnahen Schicht an, macht eine harte Arbeit, um die Kinder satt zu bekommen, damit sie sich nicht gegenseitig ausrauben, und gibt moralische Wertmaßstäbe vor, ohne dabei predigend zu wirken. Der Vater ist unbekannt. Die Geschwister der Politiker gehen nach manchen Irrtümern doch noch ihren eigenen Weg. Daher wissen die Politiker, dass sie in der Pflicht stehen, es einmal besser zu haben und nicht zu vergessen, woher sie kommen und dass sie dahin nicht zurück wollen.
Erfahrungen mit Politik machen Politiker vermittels der Begegnung mit einem Urgestein der Partei, in die sie daraufhin eintreten. Fortan wollen sie gestalten, gar verändern, und zwar zum Besseren.
Seltsamerweise ist niemand der Politiker auf Grundsatzdiskussionen in den Basisgruppen scharf gewesen, kam aber nicht umhin, sich mit diesen Trotteln auseinanderzusetzen, um in der Hierarchie aufzusteigen. In ihrem Sog aber stiegen auch die Trottel auf. Wer sich also über die Trottel in der Politik aufregt, kann sich bei den allseits geachteten Über-Figuren bedanken.
Die schweren Entscheidungen machen sich die Politiker nicht leicht, sie nehmen es sogar auf sich, dafür gescholten zu werden. Aber wenn sie schon mal da stehen, können sie eben auch nicht anders. Das macht die Glaubwürdigkeit aus. Schade eigentlich, dass sie im aktuellen politischen Betrieb keinen höheren Einfluss haben.


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