Unter der Corona-Krise leidet insbesondere eine Branche, für die bislang kein Hilfspaket geschnürt wurde: Die Kriminalitätswirtschaft wurde durch den Lockdown „so empfindlich getroffen wie nicht mehr seit dem Start von ‚Aktenzeichen xy ungelöst‘ im Oktober 1967“, sagt ein Brancheninsider. Jetzt, wo die Maßnahmen zunehmend aufgehoben werden, ziehen Deutschlands Verbrecher eine erste Bilanz – und stellen dabei fest, dass es neben den vielen Verlierern auch in ihrem insgesamt notleidenden Gewerbe einige Krisengewinnler gibt.

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Zu den Verlierern gehören vor allem Taschendiebe. „Da war nix zu machen“, sagt Frank „Flinkfinger“ L. (alle Namen sind der Redaktion bekannt) und schüttelt sich noch rückwirkend mit erkennbarem Ekel. „Früher habe ich auf einem Wochenmarkt in einer Stunde zehn alten Damen in die Handtasche gegriffen. Aber in den vergangenen Wochen musste ich mich einer von ihnen nur weniger als zwei Meter nähern, da schwangen die schon aggressiv ihre Regenschirme und brüllten: ‚Soschal Distänz, aber sofort! Sonst rufe ich die Polizei!“

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Er habe, so Flinkfinger, „Umsatzrückgänge von 80 Prozent zu verkraften. Aber anders als bei der mit Steuermilliarden hochgepäppelten Lufthansa hilft mir kein Schwein!“

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Verzweifelt ist auch Eduard „Dietrich“ S., der sich auf Wohnungseinbrüche spezialisiert hat. „Monatelang habe ich in meiner Stadt vergeblich nach einem Haus gesucht, das irgendwann im Tagesablauf oder am Wochenende mal leer war. Nicht nur abends, nein, sogar über Tag waren die Leute daheim. ‚Homeoffice‘! Ja, toll – aber ich kann meinen Job nicht von daheim ausführen.“

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Als er dann doch einmal ein leeres Haus fand, „schien das erst wie im Paradies – auf dem Tisch stand noch das Mittagessen. Ich habe mich erstmal ordentlich satt gegessen und dann Flachbildschirm, Laptop und Bargeld mitgenommen. Aber sechs Tage später war ich krank. Covid-19. Die Bewohner des Hauses hatten das auch gehabt und waren wenige Stunden vor meinem Bruch ins Krankenhaus gefahren.“

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Der leidgeprüfte Berufskriminelle schüttelt sich: „Wie kann man so verantwortungslos handeln? Klar, die mussten wohl eilig in die Klinik. Für eine kleine warnende Notiz an eventuelle Einbrecher hätte es doch trotzdem sicher gereicht. Aber in unserer Zeit denken die Menschen nur noch an sich, es gibt keine Solidarität mehr mit ehrlichen Arbeitern wie uns.“

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Massive Gehaltseinbrüche meldet auch Cem „Bleifuß“ M., der sich auf die Enteignung von Luxusautos („Irgendwo steckt da auch antikapitalistische Überzeugung in mir.“) spezialisiert hat. „Gucken Sie sich doch an, wie ausgedünnt der Straßenverkehr wochenlang war. Und die Autos, bei denen es sich lohnt, standen wochenlang in den verschlossenen Garagen der Villen und wurden kaum mal bewegt.“

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Cem verdreht die Augen: „Das ist so abgrundtief gemein. Ich überlege, den Beruf an den Nagel zu hängen und umzulernen. Vielleicht sogar auf Polizist.“ Dann hält er inne: „Andererseits, wenn es stimmt, dass das alles Rassisten sind, habe ich keine Lust. Ich will mich von so etwas nicht anstecken lassen. Ich will auch morgen noch in den Spiegel schauen können.“

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Wenig zukunftsfroh ist Michael „Lackschuh-Mike“ P., der nach eigenen Angaben „fünf Pferdchen“ auf dem Straßenstrich von Berlin laufen hat. „Das Geschäft fiel in den vergangenen Monaten völlig aus. Tote Hose, aber total.“ Er habe erst gedacht, „Mimi, Chantal und die anderen betrügen mich. Die habe ich erstmal windelweich geprügelt. Aber die hatten wirklich keinen Cent in der Tasche. Ja, geschlagen habe ich die Mädchen. Aber die eigentliche Verantwortung trägt die Lockdown-Mafia, die unser Geschäft torpediert hat.“

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Und doch gibt es auch Zeichen der Hoffnung. Insbesondere Bankräuber Wolf „Tresor“ B. ist gut auf die Krise zu sprechen. „Früher mussten wir rein, drinnen Masken aufsetzen, dann wieder raus und weg mit den Dingern, damit wir auf der Straße nicht auffallen. Und schon hatte uns irgendeine Kamera erwischt und die Fahndung lief an.“ Das habe sich völlig geändert, „und zwar zum Positiven“, sagt Tresor.

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„Neulich habe ich eine Bank gemacht, da habe ich die Sturmhaube schon auf dem Weg dorthin in der U-Bahn aufgesetzt. Und als ich dann die Bank betrat, standen vor der Tür ein paar Security-Leute und Polizisten. Die haben mir begeistert zugeklatscht, als ich da so maskiert ankam. Ich fühlte mich fast wie eine Kassiererin im Supermarkt oder ein Altenpfleger. Und die haben nochmals geklatscht, als ich wenige Minuten später mit einem großen Sack bis oben voll mit Geld wieder rausgestürzt bin. Und sie haben gerufen: ‚Vorbildlich, so geht Masken-Gebrauch! Das sollten alle Kunden so vorbildlich machen.’“ (PAN)

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