Von Oliver Stock (Text) und Judith Wagner (Foto)

Wir sind diese Woche auf große Fahrt gegangen, Judith und ich. Das heißt: Es war eine kleine Fahrt ins Weinörtchen Rüdesheim, von dort sollte es mit der Bahn nach Worms gehen, von dort mit dem Flusskreuzfahrtschiff nach Straßburg und zurück nach Rüdesheim. Wir wollten beweisen, dass Reisen trotz Corona möglich ist, wenn man denn nicht übermütig wird. Und tatsächlich hat uns nicht die Pandemie, sondern ein Streik aufgehalten.

LESEN SIE VON OLIVER STOCK & JUDITH WAGNER AUCH: EIN-BISSCHEN-BESSER ODER DAS LEBEN DER ANDEREN

Weil die Bahnbediensteten mehr Geld verdienen wollen und dafür ausgerechnet an dem Tag nicht arbeiteten, wurde alles später und später, wir strandeten schon in Rüdesheim und der Mann am Billettschalter der Rheinfähre, den wir um Rat fragten, sagte: „Läuft nicht so bei Ihnen, oder?“

Nee, manchmal läuft es nicht so. Wir dachten an Captain Edward A. Murphy, der 1949 im Auftrag der US-Air Force herausfinden sollte, welche Beschleunigungen der menschliche Körper aushalten kann. Anlässlich eines kostspieligen Experiments wurden am Körper der Testperson 16 Sensoren befestigt. Jemand hatte alle falsch angeschlossen, was Murphy zu der Feststellung veranlasste: „Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet, dann wird es jemand genauso machen.“ Der sogenannte Volksmund machte daraus: „Alles, was in die Hose gehen kann, geht auch in die Hose.“ Ingenieure führten daraufhin die Qualitätssicherung ein. 

LESEN SIE VON OLIVER STOCK & JUDITH WAGNER AUCH: EIN-BISSCHEN-BESSER ODER RUMMEL UM ROMMEL

Judith und ich haben es nicht so mit der Qualitätssicherung. Ein bisschen besser ist es, sagen wir uns, wenn man zu zweit wie ein redundantes System funktioniert, also eines, das einspringt, wenn einer ausfällt. Bei uns läuft es so: Judith trägt Optimismus im Herzen, und weil ich sagen darf, dass ich ihr ans Herz gewachsen bin, überträgt sich natürlich davon auch etwas auf mich. Optimismus ist ähnlich ansteckend wie Corona, wenn er von Herzen kommt.

Wir haben also den Mann am Billettschalter angestrahlt, ihm lebhaft von der bevorstehenden Kreuzfahrt erzählt und, schwups, hatten wir einen Gratis-Geheimparkplatz neben dem Fährhaus für zwei Tage, und Billetts für eine funktionierende Verbindung nach Worms hatten wir auch. Beinahe wären wir dann auf der stillen Reise den Fluss entlang sogar noch übermütig geworden.

UNSERE AUTOREN: Judith Wagner ist Fotografin. Menschen sind ihre Profession: Vorstände, Schauspieler oder solche wie du und ich. Oliver Stock ist Journalist und versteht, wie Wirtschaft funktioniert. Beide wollen die Welt verbessern. Aber nur ein bisschen. Für den direkten Kontakt: www.einbisschenbesser.de
info@einbisschenbesser.de