Von Oliver Stock (Text) und Judith Wagner (Foto)

Das menschliche Gedächtnis ist nicht so gut sortiert, wie die Mülltonnen draußen vor der Tür, wo Verpackung in die gelbe Box kommt, wenn sie nicht aus Papier besteht, denn das kommt in die blaue. Nein, unser Kopf nimmt alles auf, es mag ein paar Windungen für irgendetwas besonderes geben, aber dann machst Du einmal einen Freudensprung und beim Aufsetzen kommt, wums, wieder alles durcheinander.

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Unsortiert in unseren Köpfen gelandet, also in Judiths und meinem, sind in den vergangenen 48 Stunden folgende Informationen. Erstens: Ein Gespräch über die Auffassungsgabe von Hunden, anlässlich der Fahrt mit unserem Vierbeiner, den wir für einige Tage dem anderen Teil unserer Familie ausgeliehen haben. Inhalt: Der Hund weiß nicht, wohin er fährt, wie lange er fort ist und wen er trifft. Er steigt trotzdem ein, was etwas mit Vertrauen und Unabhängigkeit zu tun haben muss. Oder grenzenloser Dämlichkeit – aber darüber haben wir nicht gesprochen.

Zweitens: Ein Leitartikel über die aktuellen Geißeln der Menschheit – Klimawandel und Corona – die so knüppeldick zusammenkommen, dass manch einer nur noch fatalistisch mit den Achseln zuckt. Drittens eine Meldung über eine Lagerhalle in Vietnam, die von der Polizei gefilzt wurde, weil der Hallenpächter dort tausende gebrauchter Kondome zur Wiederverwendung vorbereitete. Das war Nachhaltigkeit Made in Mittelasien. Und viertens geht uns das Bild eines kleinen Jungen nicht aus dem Kopf, der gestern mit seinem Rennrad zehn, fünfzehn, zwanzig Mal über das Kopfsteinpflaster des weitläufigen Kirchenvorplatzes spurtete, vorbei an den anliegenden Straßenlokalen, wo die Menschen draußen saßen und ihn anfeuerten, bis seine Mutter ihn rief.

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Weil Menschen es stets ein bisschen besser finden, nach dem Sinn hinter dem Unsinn zu fragen, versuchen wir hier einen kühnen Faden durch die Ereignisse zu schlagen. Der geht so: Die Hundegeschichte hat etwas mit einer vertrauensvollen Haltung zu tun: Mach was aus dem, was du nicht ändern kannst. Mit dieser Ansage hätte der Leitartikler gleich einen weniger weinerlichen Tonfall gehabt. Der vietnamesische Pächter hat das ein bisschen übertrieben und der kleine Rennradfahrer hat die Herzen der Zuschauer erobert, weil er im Rahmen seiner Möglichkeiten zu Hochform aufgelaufen ist, bis Mama ihn rief.

Judith ruft jetzt, ich solle meine Küchenphilosophie dort lassen, wo sie hingehört: in die Küche. Also ich muss Schluss machen und gehe mir jetzt eine Halle angucken, wo sich vielleicht gebrauchte Socken wiederaufbereiten lassen. 

UNSERE AUTOREN: Judith Wagner ist Fotografin. Menschen sind ihre Profession: Vorstände, Schauspieler oder solche wie du und ich. Oliver Stock ist Journalist und versteht, wie Wirtschaft funktioniert. Beide wollen die Welt verbessern. Aber nur ein bisschen. Für den direkten Kontakt: www.einbisschenbesser.de
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