Von Oliver Stock (Text) und Judith Wagner (Foto)

„Drive in“ ist, wenn auf der Rückbank alle nur noch einen Wunsch haben. Wenn du dann von der Autobahn fährst und aufs Essen bestellen wartest, während der Kühler deiner alten Karre schon mal zu kochen anfängt. Wenn du dann mal dran bist, lässt du besser deine Kinder bestellen, weil du selbst längst nicht mehr die Füllungen, Saucen und Beilagen beherrscht, die nötig sind, um eine unfallfreie Bestellung aufzugeben. Dann zahlst du, es beginnt im Auto lecker zu riechen, und du fängst an, dich zu ärgern, weil du schon wieder voller Verachtung und aus Prinzip nichts bestellt hast. So ist „Drive in“.

Das Leben hält viele „Drive ins“ bereit. Solche, wo du eigentlich nicht halten wolltest, weil du weißt, wie es ein bisschen besser geht: Boeuf statt Burger eben. Es gibt solche, wo dich andere trotzdem hinbugsieren und du dich bis zum Schluss weigerst, mitzumachen. Bei manchen bestellst du doch, andere lässt du mannhaft – „mannhaft“ ist hier bewusst gebraucht: Frauen sind da weniger hartnäckig – vorüberziehen. Aus einer höheren Sicht ist das ganze Leben an sich ein „Drive in“. Du rauscht vorbei, bestellst achtzig Jahre mit Majo und Ketchup und Sahne, manchmal riecht‘s lecker, du musst rechtzeitig zubeißen, sonst ist es nur lauwarm, und wer sich weigert, fliegt früher raus.

LESEN SIE VON OLIVER STOCK & JUDITH WAGNER AUCH: EIN-BISSCHEN-BESSER ODER DAS LEBEN DER ANDEREN

Und dann, so wenn du schon mehr als die Hälfte der Wartezeit rumhast, erkennst du, warum die Sache „Drive in“ und nicht etwa „Eat fast“ oder „Get full“ heißt. Es geht nämlich gar nicht ums Essen oder gar satt werden. Es geht vielmehr um alles: ums Wünschen, ums Entscheiden, ums Warten, ums Bestellen, ums Bezahlen, und dann ist es eigentlich auch schon vorbei. „Drive in“ ist die Einladung zur Mitreise. Du stellst fest: Der Weg ist das Ziel, bloß manchmal ist das Ziel im Weg. Klar, manche Gerichte kannst du echt auslassen, Corona zum Beispiel, wer von euch hat das eigentlich bestellt? Andere orderst du am liebsten so, dass sie niemals ausgehen. Ich hätte gerne mehr von Judith, gerne pur. Das wichtigste ist: Überlass den Fahrersitz denen, die dauernd weiterkommen müssen. Du dagegen setzt dich auf die Rückbank und erfüllst dir deine Wünsche. So wird der „Drive in“ zur „Source of joy“, zum nicht versiegenden Quell der Freude – egal, ob Reisen verboten ist oder der Kühler kocht.

LESEN SIE VON OLIVER STOCK & JUDITH WAGNER AUCH: EIN-BISSCHEN-BESSER ODER RUMMEL UM ROMMEL

UNSERE AUTOREN: Judith Wagner ist Fotografin. Menschen sind ihre Profession: Vorstände, Schauspieler oder solche wie du und ich. Oliver Stock ist Journalist und versteht, wie Wirtschaft funktioniert. Beide wollen die Welt verbessern. Aber nur ein bisschen. Für den direkten Kontakt: www.einbisschenbesser.de
info@einbisschenbesser.de