Von Oliver Stock (Text) und Judith Wagner (Foto)

Wenn Lieferhelden in den Dax aufsteigen, ist etwas mit unserem Heldenbild nicht in Ordnung. Achtsamkeit und Demut sind schön und gut. Aber sie sollten durch Tapferkeit und Edelmut abgelöst werden. 

Es war einer dieser Sonntagnachmittage, die in diesem Sommer nicht regnerisch, sondern eher schwül sind. „Delivery hero“ war gerade in den Dax aufgestiegen. 

Die Kinder waren da, der See hatte Blaualgen, das Schwimmbad hätten wir gestern buchen müssen und so beschlossen wir, einen Film zu gucken. Judith lud „Hatari“ herunter, jenes in Afrika spielende Epos um eine Runde trinkender, rauchender, nashornfangender Männer, zu denen auch John Wayne gehört. Der Film hat ansonsten keine weiteren Höhepunkte, aber einige Nächte später war das Thema „Helden“ aus unseren Köpfen noch immer nicht verschwunden. John Wayne ritt unermüdlich weiter, und wir fragten uns, warum sich heutzutage Lieferanten Helden nennen, wenn sie nicht einmal mit dem Pferd ausliefern.

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Wo sind wir hingekommen, wenn wir nur noch Helden des Alltags oder gleich Antihelden wahrnehmen, aber den wahren Helden keine Chance lassen? Mit den Helden sind auch überragende Eigenschaften wie Tapferkeit und Edelmut ausgestorben, während Achtsamkeit und Demut ihre große Stunde feiern. Ein bisschen besser wäre es, wir einigten uns auf eine Liste ultimativer Helden, die wir der Menschheit dann zum Vorbild präsentieren, dachten Judith und ich und haben uns noch in der gleichen Nacht ans Werk gemacht.

Judith war für systematisches Vorgehen und verlangte zunächst nach einer Definition. Mir liegt das nicht so, ich versuche stets mit schlagenden Beispielen zu überzeugen und warf deswegen mal Jesus in den Raum, den ich für einen friedfertigen Glaubensritter halte. Ghandi und der Dalai Lama, die darauf von Judith kamen, habe ich als zu politisch abgekanzelt. Bei Michelle Obama waren wir beide einverstanden, wobei uns klar war, dass wir damit Vorschusslorbeeren verteilen. Pipi Langstrumpf wurde ebenfalls einstimmig ernannt. Weil sie sich die Welt malt, wie sie ihr gefällt, sagt Judith. Weil sie jeden morgen ihr Pferd von der Terrasse hebt, meine ich.

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John und Jesus, Michelle und Pipi lautet also die Liste unserer „Top four“, die wir hiermit zur Begutachtung vorlegen. Wir sind übrigens tolerant: Über Mutter Theresa und Napoleon könnten wir die nächsten Nächte gern diskutieren. Wichtig ist nur, dass Helden nicht in den Dax auf-, sondern das Pferd besteigen. Wenn es eine Definition geben sollte, muss das jedenfalls hinein.

UNSERE AUTOREN: Judith Wagner ist Fotografin. Menschen sind ihre Profession: Vorstände, Schauspieler oder solche wie du und ich. Oliver Stock ist Journalist und versteht, wie Wirtschaft funktioniert. Beide wollen die Welt verbessern. Aber nur ein bisschen. Für den direkten Kontakt: www.einbisschenbesser.de
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