Von Oliver Stock (Text) und Judith Wagner (Foto)

Er streicht durch die Äste, die sich ihm nacheinander beugen, so dass es aussieht wie die La-Ola-Welle in Sankt-Pauli-Stadion: der Herbstwind. Er kommt vom Berg hinunter, fällt ins sich erweiternde Tal, strömt durch der Bäume Laub, das sich ihm nicht mehr lange entgegenstellen kann. Er rauscht wie ein fließender Strom, wirbelt die Asche aus dem kalten Feuerkorb von gestern. „Wind of change“, lautet die Hymne aus einer anderen Zeit.

Es gibt Menschen wie Hubschrauber, die dauernd Wind machen, manchmal bläst uns der Wind ins Gesicht, und es gibt Stunden, da sind wir völlig durch den Wind. „Du hast eine Rose gebrochen, bevor der Wind sie entblättert“, gehört zu meinen Lieblingszitaten, das sich auf Judith und mich nicht anwenden lässt, weil Judith circa schon 24 gewesen ist, als wir uns kennenlernten und ich auch schon im reiferen Alter und durch unser Leben bereits manche steife Brise gezogen war.

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Der Wind lässt Fahnen flattern und Boote schaukeln, er kann sie zerreißen und zum Kentern bringen, woran klar wird, dass es ein bisschen besser ist, wenn der Wind die richtige Geschwindigkeit hat. Fast schlimm ist, wenn kein Lüftchen weht. Dann mieft es, dann treiben derzeit Aerosole ihr ungestörtes Unwesen, dann herrscht Stillstand, dann hält die Welt den Atem an, und wer schon einmal länger den Atem angehalten hat, weiß dass nur noch die Atemnot folgt. Manchmal sieht es so aus, als könne der Wind lesen, wenn er die Seiten eines Buches wie eine Rotationsmaschine herumwirbelt.

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„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen“, sagt Judith immer und bestellt je nachdem eine neue Kamera oder geht mit der Mode. Ich selbst habe mir immer darin gefallen, mich wie eine knorrige Eiche dem Wind entgegenzustellen, bis mir ein weiser Freund das Schilfrohr empfahl, das sich stets biegt, aber niemals bricht. 

Wind entsteht, wenn warme Luft sich ausbreitet und die kalte verdrängt, Wind gleicht Unterschiede aus. „Wir müssen mal lüften“, sagt Judith und wir treten hinaus und der Rückenwind treibt uns gemeinsam fort.

UNSERE AUTOREN: Judith Wagner ist Fotografin. Menschen sind ihre Profession: Vorstände, Schauspieler oder solche wie du und ich. Oliver Stock ist Journalist und versteht, wie Wirtschaft funktioniert. Beide wollen die Welt verbessern. Aber nur ein bisschen. Für den direkten Kontakt: www.einbisschenbesser.de
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