Falls Johann Wolfgang von Goethe seinen „Faust“ nicht umdichtet, soll das Goethe-Institut einen anderen Namensträger bekommen. Der in München ansässige gemeinnützige Verein zur Förderung der deutschen Sprache würde sich dann mutmaßlich in Knorr-Institut umbenennen – zu Ehren des altehrwürdigen Tütensuppenherstellers, der nach einer am Wochenende kommunizierten Entscheidung seine traditionsreiche „Zigeunersauce“ künftig als „Paprikasauce Ungarische Art“ verkaufen möchte.

Lesen Sie auch diese News: Galopp-Umfrage: Amerikaner wollen Präsident Trump zu „King Donald I.“ krönen

„Goethe hat voll krass das 21. Jahrhundert verschlafen“, sagte Marga Stirekowski, Sprecherin der neu eingerichteten Cancel-Culture-Bundesbehörde. „Ich kenn‘ den ja nur vom Namen her und aus dem Film ‚Fack ju Göthe‘. Aber mir hat jemand dieses irre lange Gedicht von ihm zugeschickt, ‚Faust‘ heißt das. Was schon sehr nach Konflikt und Gewalt klingt. Aber noch viel übler: Dieses Gretchen im ‚Faust‘ ist viel zu passiv und wird dann auch noch verniedlichend mit dem Diminutiv benannt. Warum nicht einfach ‚Grete‘?“

Lesen Sie auch diese News: Auweia-Card erfolgreich: Die sind ihren CEO, die Anleger das Bargeld los

Am schlimmsten aber sei, dass im „Faust“ der Begriff „Zigeuner“ in einem „ganz, ganz schlimmen, eindeutig negativen Zusammenhang“ auftauche, so Stirekowski. „Wenn ich mal vorlesen darf? Da sagt doch dieser Metipopholes, oder wie der heißt, zum Faust: ‚In kurzer Zeit ist Gretchen euer, / Heut Abend sollt ihr sie bei Nachbars Marthen seh’n. / Das ist ein Weib wie auserlesen / zum Kuppler- und Zigeunerwesen.‘“

Stirekowski setzt das großvolumige Reklam-Heftchen ab und fragt zornesbebend: „Also geht’s noch bei diesem Mefistoklophis? Er nennt eine Frau ‚Weib‘? Und spricht dann vom Kuppler- und Zigeunerwesen?! ‚Zigeuner‘?! Hallo?! Jemand zu Hause? Die Stelle ist voll rassistisch. Die muss rasch gesäubert werden!“

Lesen Sie auch diese News: „Göttinger Großfamilie“: Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Auf den Hinweis, Goethe sei schon seit 1832 tot und könne den „Faust“ darum nicht mehr umschreiben, reagiert die Cancel-Culture-Beauftragte erstaunt: „Wie?! Also nicht nur ein alter weißer Mann, sondern ein toter alter weißer Mann?! Das wird ja immer krasser! Aber woher soll ich das wissen? Ich habe nicht Geschichte, sondern Germanistik und Genderismus studiert.“

Lesen Sie auch diese News: Einstieg des Bundes bei Lufthansa – Merkel macht bereits den Pilotenschein

Dann, sagt Stirekowski schließlich, müssten eben „Verlage und Verlaginnen, die Goethe veröffentlichen, die Formulierung korrigieren“. Wie genau? „Das kann man doch von Knorr abschauen“, lautet die Antwort. „Statt ‚ein Weib wie auserlesen zum Kuppler- und Zigeunerwesen‘ muss es heißen ‚eine Frau wie auserlesen zum Kupplerin- und Paprikasauce-ungarische-Art-Wesen.“ (PAR)

Lesen Sie auch diese News: Bundesregierung entscheidet: Alle Denkmäler werden abgerissen

…und diese: „Schaute Geißbock Hennes so seltsam an“: Tönnies darf den 1.FC Köln nicht sponsern

…und diese: Gefährlich: Männer*innen drehen Gender-Gerechtigkeit zurück

Und natürlich dies: Wissenschaftler verzweifelt: Nana-Forscher konnten immer noch kein Farb-Radio entwickeln

Dieser Artikel ist nicht witzig – aber wichtig: Warum der Umgang der DFG mit Dieter Nuhr ein Skandal ist