Glückwunsch, gegen diese Ortsnamen ist nichts einzuwenden, die dürfen bleiben, Foto: Shutterstock

Aus Karlsruhe wird 2025 Karlasruhe, St. Augustin wird zu Augusta und Frankfurt zu Franzisfurt – was für manche eine Umstellung und den Neudruck ihrer Visitenkarten bedeutet, bringt für alle mehr Gendergerechtigkeit ins Land. Darum wird die Bundesregierung etliche Stadt- und Ortsnamen ändern, die „in Deutschland eine starke kartografische Dominanz des Maskulinen suggerieren“, bilanzierte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin das Ergebnis der vor drei Monaten begonnenen Bund-Länder-Gespräche zur Quotierungsgerechtigkeit bei kommunalen Bezeichnungen.

Russische Ärzte enthüllen: Trotzki starb nicht an Eispickel, sondern an Stoffwechselstörung

„Natürlich haben sich die Menschen in Ludwigshafen an ihren Namen gewöhnt“, sagte die Projektbeauftragte Lianix Hildruff-Baschheim, Professorin für Gendergerechtigkeit an der FU-Berlin. „Und nicht jeder, der dort wohnt, ist ein Chauvi. Aber das Leben in einer nach einem Mann benannten Ortschaft speist unbewusst die Vorstellung, Männer seien in dieser Gesellschaft mehr wert. Das macht aus kleinen Jungs aus Ludwigshafen im Laufe der Jahre Machos und aus kleinen Mädchen angepasste Frauen, die sich lieber um Kinder und Küche als ihre berufliche Karriere kümmern wollen.“ Die Lösung: Ludwigshafen wird Leonenhaven. Das sei übrigens „besonders fair, weil Leone in vielen Ländern als weiblicher Vorname gilt, aber in Italien Männer diesen Vornamen tragen“, sagt die Geschlechter- und Diversitätsexpertin.

Das Schloss Herrenchiemsee und das Kloster Frauenchiemsee tauschen einfach die Namen. „Jetzt ist es Zeit, dass die Frauen mal herrschen und die Männer mal Einkehr halten zum Buße tun“, so Hildruff-Baschheim. „Es geht ja auch um einen pädagogischen Ansatz.“ In diesem Sinne werde Mannheim zu Frauenhaus – „als stumme Mahnung, dass Frauen in dieser modernisierungsbedürftigen Gesellschaft immer noch viel mehr Gewalt erfahren als Männer“.

Autos endlich reif für den Schrottplatz: Neues Superfahrrad Greta löst alle Verkehrsprobleme

Hildruff-Baschheim wies die Sorge zurück, die geplanten Umbenennungen stellten unzumutbare Härten dar für Menschen und vor allem Geschäftsleute in den betroffenen Kommunen. „Unsinn! Wenn Wilhelmshaven den neuen Namen Wilhelminenhaven annimmt, wird man das weltweit feiern und das bekommt jeder mit. Im Übrigen: Wer hat heute noch vorgedrucktes Briefpapier oder Visitenkarten, wo wir doch fast die gesamte Kommunikation inzwischen digitalisiert haben und darum nur die Signatur auf unserer E-Mail korrigieren müssen!“

So belügt man uns: Fake News entlarvt – noch nie hat ein Pferd vor der Apotheke gekotzt!

Außerdem gebe es „großzügige Umgewöhnungskorridore“. Schon jetzt könnten die Menschen in den „vom Patriarchat befreiten Städten und Kommunen“ ihren in knapp fünf Jahren, ab 1. April 2025, offiziell gültigen neuen Namen kommunizieren. „Zudem sind die Brief- und Paketzusteller gehalten, in einer Übergangsfrist von 24 Monaten auch Sendungen an die alte Adresse zuzustellen“. Schließlich, so die Professorin, habe das „bei der Umstellung von Stalinstadt zu Eisenhüttenstadt oder von Karl-Marx-Stadt zu Chemnitz auch problemlos geklappt – und was in der DDR ging, sollte uns auch gelingen“.

LÖSUNG FÜR BELARUS: Donald Trump übernimmt das Land von Lukaschenko

Ministerin Lambrecht sagte auf der Pressekonferenz, es sei einfach „keine andere Möglichkeit geblieben, weil es ungefähr 70 Prozent mehr Kommunen mit Männer- als mit Frauennamen“ gebe. Deutschland dürfe darum stolz sein, dass es jetzt schon Orte wie Heide und Schwarzheide, Bad Marienberg, Annaberg-Buchholz oder Annweiler gebe. „Aber gegenüber ‚Männer-Städten‘ bilden sie eine verschwindende Minderheit.“ Deutschland werde sich besser entwickeln, wenn die Umbenennungen abgeschlossen seien. Dabei folge man  „inhaltlicher Logik“, beachte aber zugleich das Gebot eines angenehmen Klanges.

Sturm auf Reichstag war Missverständnis: Reichsbürger erkannten Polizist wg. fehlender Pickelhaube nicht

So werde Wolfratshausen zu Wölfinsbau, Hagenbach zu Kriemhildbach, Friedrichshall zu Sophienhall, Wolframs-Eschenbach zu Christianes-Eschenbach oder Karlstadt zu Carolinenheim.

Noch eine WireCard-News: AuweiaCard Manager Jan Marsalek so fiktiv wie seine 1,9 Mrd. Euro?

Bei manchen Umbenennungen schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe, erläuterte die Sozialdemokratin: „Dass wir aus St. Augustin nur Augusta machen, ohne das vorangestellte Kürzel für ‚heilig‘, ist zugleich ein Integrationsangebot an die Menschen ohne christlichen Glauben, die ‚Sankt‘ mutmaßlich seit langem als Provokation empfinden, aber das in unserer Gesellschaft mit ihrem strukturellen Rassismus nicht zu sagen wagen.“

Das wussten Sie nicht? Sponsoring-Deal zwischen Tönnies und 1. FC Köln geplatzt – aus Angst um Hennes IX.

Schwierig wird es mit einigen Namen, denen eine weibliche Entsprechung fehle. „Was wird aus dem niedersächsischen Achim“, fragte Lambrecht bei der Pressekonferenz. „Wir werden wohl die dort Lebenden abstimmen lassen zwischen Achnee und Achdoch – beides ist nicht weiblich, aber immerhin auch nicht mehr männlich.“

Lesen Sie auch diese News: Frauenquote bei CDU war nur der Anfang – jetzt sind Schachspiel und Knäste dran

Auch Delmenhorst sei ein Problemfall. Zwar gebe es den weiblichen Vornamen Horstine, doch „Delmenhorstine klingt nicht“, räumt man im Ministerium ein. Die Lösung: Die niedersächsische Stadt wird aufgrund ihrer Lage künftig „Bremennah“ heißen. (PAR)

Beruhigend: Auswertung von 1135 „Tatort“-Folgen beweist: Kein Rassismus bei deutschen Polizisten