Schlimme Befürchtung: Reaktionäre Kräfte (oder „KräftInnen“, wie Anne Will mutmaßlich sagen würde) in deutschen Medien nutzen die gegenwärtige allnächtliche Randale in Städten der USA, um die mühsamen Fortschritte der Sprach-Genderisierung zurückzudrehen. Das befürchtet zumindest Vanes Pogenheim-Hermann vom WächterInnen-RatIn für Sprachgerechtigkeit der Universität Bremen, im Gespräch mit „Pardon“. Ähnliche Beobachtungen könne man in der Berichterstattungen über Corona machen.

Allen voran sei es die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die ohnehin, so Pogenheim-Hermann, „seit Jahren der Debatte ausweicht, warum sie sich nicht längst umbenannt hat in „FrankfurterInnen Allgemeine Zeitung“. Das Blatt titelte gerade zu dem Chaos in den USA nach der Tötung von George Floyd durch amerikanische Polizeikräfte: „Ausschreitungen in den USA: Die Polizei wird der Lage nicht Herr.“

Zufall? So berichtete die FAZ.

Die erfahrene Germanistin, die bereits im 37. Semester studiert und die sich sehr bemüht, männliche Substantive zu umgehen, schickt voraus: „Ich lasse jetzt einmal das Hinzuweisende weg, dass man/frau über Gewalttaten groß berichtet, obgleich das eigentlich zu Skandalisierende natürlich die Tatsache ist, dass in den USA immer noch Menschen mit dunkler Haut rassistisch diskriminiert werden, wie die Tötung der afroamerikanischen Person George Floyd deutlich gemacht hat.“

Alsdann kommt Pogenheim-Hermann zur Analyse der frauenverachtenden FAZ-Zeile. Gemeint sei mit ihr erkennbar der Kontrollverlust über die innere Sicherheit, „und die Perfidität dieser Sprachoperation wird gleich an zwei Stellen deutlich: ‚Ausschreitung‘ ist weiblich, und das erwirkt, sicher nicht ungewollt, den Eindruck, ‚Gewalt‘ oder ‚Unordnung‘, siehe da, beides ebenfalls weiblich, seien femininer Natur.“ Pogenheim-Hermann: „Und wie will man diese ‚fraulichen Entgleisungen‘ – nanu, schon wieder weiblich, glauben Sie jetzt immer noch an Zufall? – in den ‘Griff‘ – aha, etwas Positives, und prompt männlich! – bekommen?“ Pogenheim-Hermann („Nennen Sie mich gern Vanes, aber nicht Vanessa, wie mich meine Eltern tauften!“) erklärt es geduldig: „Indem man ihrer ‚Herr‘ wird! Herr!!! Verstehen Sie?! Das erinnert an Zeiten, in den Frauen dem Macho untertan waren und seine Dominanz von niemandem angezweifelt wurde. Nix da, da ist vorbei!“

Pogenheim-Hermann belässt es aber nicht nur bei Kritik, sondern schlägt auch Verbesserungen vor: „Problemlos hätte die FAZ-KollegInnenschaft die Zeile wie folgt formulieren können: ‚Aufstände in den USA: Die Polizei wird dem Liegenden weder Frau noch Herr.‘“

Ähnliche Beobachtungen macht die engagierte Kämpferin für Sprachgerechtigkeit bei der Berichterstattung über den Einsatz der US-Nationalgarde. „Da schreibt der Bayerische Rundfunk doch tatsächlich, ‚nach Krawallen‘ seien ‚13.000 Nationalgardisten‘ mobilisiert worden. Sehen Sie denn nicht das Muster? ‚Krawalle‘ sind negativ und natürlich weiblich, für Ordnung sorgen ‚Nationalgardisten‘, obwohl es in dieser Militärreserve der USA mindestens 16 Prozent Frauen gibt, und kaum zu vermuten ist, dass nur männliche Personen in die Städte geschickt worden sind.“ Richtig wäre darum die Zeile gewesen, „nach Angriffen“ seien „13.000 NationalgardIstinnen“ mobilisiert worden. Auf den Hinweis, der Duden und manche Ikonen unter den Pardon-Lesern behaupteten, „Krawall“ sei maskulin, antwortete Pogenheim-Hermann: „Ach, und so ein Detail ist Ihnen jetzt wichtig?! Ich kämpfe hier für die Sprachgerechtigkeit und Sie ziehen sich an einem Detail hoch? Das ist die Oppression der Ameinsenbumsenden!“

Noch ein zufall? So berichtete der BR

Die Sprachaufklärerin hat bei der Auseinandersetzung mit Corona ähnliche Erfahrungen gemacht. „Es muss Coronus heißen – ein so zerstörerisches Virus ähnelt in seiner Art doch nicht der weiblichen, pflegenden, ausgleichden, Macht-entsagenden Natur, sondern ist männlich-mörderisch.“ Damit knüpft Pogenheim-Hermann („Ich bin gerade in der Prozessierung meiner Umbenennung – ab der Herbstzeit wird meine Nachbenamung Pogenheim-Hermfrau lauten“) an eine Debatte an, die nach Informationen von „Pardon“ auch schon von Rot-Rot-Grün geführt wird und über die an dieser Stelle bereits berichtet wurde. (PAN)