Neuer migrationspolitischer Tiefpunkt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – mit überraschender Erklärung: In einer Fernseh-Talkrunde über die Probleme von dunkelhäutigen Menschen und vor allem Frauen diskutierten am Wochenende ausschließlich weiße Männer. Eine Szene, wie wir sie leider immer noch aus dem Alltag kennen, aber die doch in den Medien überholt sein sollte. Wie es zu dieser Panne kam, erklärt die Redaktionsleiterin von „Hartz aber unfair“ erstmals auf „Pardon“.

„Das wollten wir natürlich nicht“, sagt Lena Bischop, „die Runde sollte divers besetzt sein, um die rassistischen und genderspezifischen Vorurteile in unserer Gesellschaft aufzuklären. Vor allem wollten wir über Racial Profiling sprechen.“

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Warum saß dann keine PoC (Person of Color), keine dunkelhäutige Frau oder gar ein Mensch mit Migrationswurzeln und einer weiteren geschlechtlichen Identität in der TV-Runde? Bischop: „Wir hatten unsere Recruiter angewiesen, bei der Auswahl von Teilnehmern, sorry: von Teilnehmenden die hohen Anforderungen, die wir an die Gesellschaft anlegen wollen, unbedingt zu beachten.“

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Darum habe sich die Frage verboten, „Kennt jemand schwarze Frauen oder Männer aus Journalismus, Kultur oder dem Kleindealer-Milieu, die wir in die Sendung einladen können“, so Bischop: „Denn das wäre ja schon Racial Profiling gewesen. Oder Gender Profiling! Daraus, dass ich mit Vornamen ‚Lena‘ heiße, können Sie ja noch nicht schließen, dass ich eine Frau bin. Geschlecht ist ebenfalls wie Ethnie nur ein gesellschaftliches Konstrukt.“ (Frau Bischop senkt die Stimme und raunt ergänzend hinzu: „Ich bin allerdings wirklich eine Frau, schreiben Sie das gern.“)

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Vor diesem strengen Hintergrund habe das Produktionsteam willkürlich Telefonnummern aus dem umfangreichen Datensatz der Redaktion angerufen und dabei die Namen verdeckt gelassen. „Was soll ich sagen, zufällig erreichten wir nur Männer, die dann auch noch konnten und zugesagt haben.“ Als das Malheur erkannt wurde, habe man gegenzusteuern versucht. „Klar, wir haben eine spezielle Datenbank mit Menschen mit migrantischem Hintergrund. Die haben wir in letzter Minute, als wir feststellten, wie unsere Runde aussehen würden, durchtelefoniert. Leider waren alle Migranten und PoCs für diesen Tag aber schon für andere Talkshows gebucht.“

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Als allerletzter Ausweg sei überlegt worden, Migranten aus der eigenen Redaktion in die Sendung zu setzen. „Bei uns arbeitet schon im vierten Jahr eine Praktikantin, die wie eine Afrikanerin aussieht, und zum Reinigungspersonal gehört ein Mann, bei dem hätte ich früher auf einen türkischen oder nahöstlichen Hintergrund getippt. Aber von uns hat sich keiner getraut, bei denen nachzufragen, wo sie oder ihre Vorfahren herkommen. Wir wollen doch niemanden rassisch – sagt man das so? – profilen. Wir sind keine Rassisten! Wir nicht!“ (PAR)

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