Nach übereinstimmenden Medienberichten ist Deutschland in diesem Jahr ungewöhnlich früh ins Sommerloch gekippt. Und zwar mit einer Relevanz, die wir nicht mehr erlebt haben seit den Artikeln über die Diäten von Greta Garbo oder Joschka Fischer.

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Den etwas müden Auftakt machte die 27.458. Forderung der Grünen nach einem Tempolimit auf deutschen Autobahnen, diesmal intoniert vom Vorsitzenden Robert Habeck. Erregungsfaktor? Mittel bis mäßig. Doch nicht einmal „Pardon“ entblödete sich, darüber zu berichten.

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Aber dann! Echte Tiefe erreichte das Sommerloch in der „Augsburger Allgemeinen“. Darum bemühte sich die Redaktion mit einer knallharten Story, wieder ans Tageslicht zu kommen. Mit schonungsloser Brutalität im Stil eines Truman Capote hämmerte das Blatt am Dienstag diese Worte in die Geschichte der Moderne: „Ein Loch im Asphalt der Ortsdurchfahrt von Osterberg ist zuletzt immer größer geworden. Dabei wurde die Straße erst vor drei Jahren saniert.“

cAugsburger Allgemeine und Sommerloch

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Bürgermeister Martin Werner wurde zudem mit der aufrüttelnden Information zitiert, dass sich „die Schadstelle nach und nach entwickelt hat“. Hier wird die Bedeutung der Presse in einem demokratischen Gemeinwesen deutlich – man stelle sich vor, in einem autokratisch regierten Staat würden derartige Informationen unter den Teppich gekehrt. „Nach und nach“ – das ist der in drei meisterliche Worte gebannte Atem der Geschichte.

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Nichts allerdings reicht an das Loch heran, das die HNA (Hessische/Niedersächsische Allgemeine) am Dienstag enthüllte. Der Leserschaft dürfte das Blut in den Adern gefroren haben angesichts einer Zeile, die nach einer Hollywood-Verfilmung schreit: „Frau bricht in Haus ein – und trinkt aus Milchtüte.

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Das, was da aus dem Witzenhäuser Ortsteil Gertenbach vermeldet wurde, entfaltete eine erzählerische Macht wie wir sie möglicherweise seit dem Sündenfall im Paradies nicht mehr erlebt haben. Eine „Frau“ ist die Täterin. Was würde besser passen in Zeiten der Quote, die nun auch auf dem Gebiet der Einbrüche die in der Vergangenheit führenden männlichen Täter in die Defensive treibt?

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Und was tat die Frau, außer in das Haus im Witzenhäuser Ortsteil Gertenbach einzubrechen? Nein, sie sprengte nicht den Tresor, sie entführte kein Kind, sie metzelte nicht die Hausbewohner nieder, was man ja alles schon aus Fernsehfilmen kennt – diese Frau war perfide bis zur Perfektion: sie trank! aus! Milchtüte! (und zwar mutmaßlich Milch). Dies ist im Zeitalter von Corona nicht anders als es in früheren Epochen (oder im vorigen Jahr) die Platzierung einer biologischen Waffe in einem Einkaufszentrum gewesen wäre.

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Daneben entwendete die Frau weitere Lebensmittel aus dem Kühlschrank und auf dem Rückweg durch den Keller außerdem eine Flasche Sekt und ein Paar Schuhe. Und dann, bei der Flucht durch den Garten, wurde sie beobachtet. 50 Jahre alt, dünne Figur, bekleidet mit hellem Jumpsuit, Strohhut, Sonnenbrille. In der Hand hatte die Frau keine Schusswaffe und nicht einmal einen blutverschmierten Dolch, sondern ­– in Papier gewickelte Rosen.

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Ist das nicht eine Harmonie der Gegensätze, die uns den Glauben zurückgibt an die Machbarkeit des Weltfriedens? Oder zumindest an die Verstehbarkeit der Montageanleitung für Ikeas Regalsystem Ivar (mit Klapptüren!)? Eine ruchlose Verbrecherin, die mutmaßlich vor keiner Scheußlichkeit zurückschrecken würde – doch in den zarten Frauenhänden (dünne Figur) trägt sie das Kraut der Liebe!

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Möge der Sommer so weitergehen. Medien meißeln aus dem scheinbar öden Alltag Bilder wie Altäre. Schlicht zum Niederknien. Danke, Sommer, du bist ein innovativer und investigativer Gesell‘!

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