In den deutschen Metropolen dürfte sich der Mietenmarkt rasch entspannen. Denn das Bundeskabinett hat am Mittwoch entschieden: sämtliche Denkmäler in Deutschland sollen abgerissen werden! Und an ihre Stelle, so der Plan, kommen Wohnhäuser mit Miet- und zum Teil Sozialwohnungen.

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„Denkmäler verletzten einfach die Gefühle von zu vielen Menschen“, sagte die neue Kulturbeauftragte Mona Gründlich im Gespräch mit Pardon. „Fast immer handelt es sich um historisch fragwürdige Figur*innen. Also weg damit! Der staatlich geförderte Wohnungsbau findet hingegen breite Akzeptanz.“

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In Deutschland gibt es rund eine Million Denkmäler, hatte das Statistische Bundesamt 2018 ermittelt. „Jedes Denkmal dürfte überschlägig Platz für mindestens 10 Wohnungen bieten, weil wir zum einen in die Höhe bauen können und zum anderen keinen Platz rundherum für Besuchende, Fotografierende und Gaffende verschwenden müssen“, sagte Bundesbauminister Horst Teichhofer. „Denken Sie nur an dieses klotzige Bismarck-Standbild in Hamburg. Das ist 35 Meter hoch und von Wald und Park umgeben. So als müsse dieser imperialistische Machtpolitiker auch nach seinem Tod noch Ruhe und Entspannung genießen. Da können wir mindestens 200 Wohnungen errichten lassen.“

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Zwar seien andere Denkmäler „viel kleiner“, aber im Durchschnitt seien 10 Wohnungen „sicher eher konservativ, huch: sagt man das noch?,… sicher eher zurückhaltend gerechnet“, so Teichhofer. Damit komme man auf ein Platzpotenzial von 10 Millionen zusätzliche Wohnungen bei einem jährlichen Bedarf von rund 300.000 Wohnungen, abhängig von der Entwicklung der Zuwanderung. „Mit diesem Konzept, sind wir für zehn Jahre aus dem Schneider und aus der Schneiderin!“

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Wie Gründlich erzählt, habe es zunächst Überlegungen gegeben, „nur Denkmäler von besonders strittigen Persönlichkeiten abzureißen. Also Männer und so. In Stein gehauene Y-Chromosomen passen schließlich nicht mehr in eine fortschrittliche Gesellschaft, die auf Gender-Gerechtigkeit setzt.“

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Allerdings habe es sich als unrealistisch herausgestellt, zwischen belasteten und unbelasteten Männern zu unterscheiden. „Erst dachten wir: alle, die mit Preußen, Kaiserreich, Militär zu tun haben, kommen weg, also Könige, Kaiser, Generäle. Und Künstler, Schriftsteller, Philosophen bleiben. Aber dann wurde plötzlich bekannt, dass Immanuel Kant, ein Philosoph aus dem russischen Kaliningrad, sich rassistisch über People of Color geäußert hat. Also weg mit Kant. Aber als die Entscheidung durch war, kamen die nächsten und sagten, Karl Marx habe sich ebenfalls negativ über Schwarze und außerdem über Juden geäußert. Tja, da konnten wir selbst das Marx-Monument in Chemnitz nicht mehr retten.“

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Die Debatte sei weitergegangen. „Kennen Sie das 54 Meter hohe Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald? Das ist doch eine nationale Schande! Mit welchem Recht hat dieser Typ im Jahre 9 n.Chr. zu den Waffen gegriffen und mehreren Legionen von friedlichen römischen Migranten die Einreise nach Germanien verweigert?“

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Inakzeptabel sei auch das 91 Meter hohe Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. „Hier wird der Krieg gegen Frankreich, der Sieg über Franzosen und Französinnen gefeiert. Das ist sooo 19. Jahrhundert.“ Gleiches gelte für das Niederwalddenkmal in Rüdesheim. „Es erinnert an den gewonnenen deutsch-französischen Krieg 1870/71, der die Gründung des Deutschen Kaiserreichs ermöglichte. Aber gibt es da wirklich etwas zu feiern? Für die in dem Krieg gefallenen Soldat*innen sicher nicht!“

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Doch es ging weiter, erinnert sich Gründlich. „Plötzlich mussten wir lernen, dass Goethe sich 1823 gegen ein Gesetz ausgesprochen hatte, dass in Weimar die christliche Eheschließung mit Juden erlaubte.“ Und Schiller? „Kaum besser.“ So ging es weiter. „Martin Luther war nach unseren heutigen Standards ein Antisemit. Johann Sebastian Bach auch. Und das Richard-Wagner-Festspielhaus in Bayreuth wird schon nächsten Monat in hübsche Zwei- bis Drei-Raum-Wohnungen parzelliert.“ Ludwig van Beethoven? „Er war ein Chauvi, ein Macho, einer, der sich von Frauen bewundern ließ und seine diversen Liebschaften für seine sexuellen Gelüste ausnutzte. Der sollte für unsere Kinder wirklich nicht als Vorbild taugen.“

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Selbst Denkmäler von Wissenschaftlern und Ingenieuren sollten nicht stehen bleiben. „In Mannheim erinnert ein Denkmal an Carl Benz – ohne sein Auto wäre die Welt heute eine andere, eine bessere. Wir alle würden Fahrrad fahren. Und in Berlin gibt es gleich mehrere Denkmäler für Otto von Lilienthal, den sogenannten ‚Pionier der Fliegerei‘. Damit ist er mitverantwortlich für die heutigen CO2-Emissionen des globalen Flugverkehrs. Lilienthal ist gewissermaßen Schuld am kommenden Hochwasser. Eine Schande!“

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Ausnahmen möchte man nur bei Denkmälern für Frauen machen. „Aber von denen gibt es ja leider nur ganz wenige. Und nicht alle Frauen sind aus heutiger feministischer Sicht okay.“ Zum Beispiel? „Ingeborg Bachmann!“ Aber wieso? Von der Klagenfurter Schriftstellerin gibt es keine rassistischen, antisemitischen, gegen sonstige Minderheiten gerichteten Aufsätze. „Das nicht – aber schauen Sie sich den Namen an!“ Ingeborg? Was ist daran schlimm? „Den Nachnamen, Sie Trottel*in! …warum hat sie sich nicht umbenennen lassen in ‚Bachfrau‘ und so ihre Ablehnung der männerdominierten Gesellschaft deutlich gemacht? Nein, Bachmann-Denkmäler wollen wir auch keine mehr!“ (PAN)

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