Deutsche Sprachwächter wollen „aufgrund aktueller Ereignisse in der für ihren Frohsinn bekannten Landeshauptstadt von Baden-Württemberg“ mehrere Begriffe neu definieren. Wie der Generalsekretär des Exekutivausschusses des schwäbischen Landesverbands der Gesellschaft für deutsche Sprache (Hoddwolee fir deidsch schwätze), Maximilien R. Pierre, im Gespräch mit Pardon mitteilte, folge dieser Beschluss der Erkenntnis, dass es heute unter anderem ein neues Verständnis für „Party“, „Partyszene“ und „Partygeschehen“ gebe.

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Zwar werde unter „Party“ immer noch ein privates oder öffentliches, betont geselliges, meist abendliches Treffen verstanden. „Aber Trinken, Tanzen, vielleicht auch Saufen oder Kiffen gilt nicht mehr als ausreichend gesellig“, sagte Generalsekretär Pierre. „Heute nimmt man gern Eisenstangen mit und springt Polizisten mit gestrecktem Bein in den Rücken. Anders formuliert: Partys sind athletischer und eventmäßiger geworden als früher.“

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Zu hören waren nach Zeugenaussagen, Videomaterial und Zeitungsartikeln vereinzelte Rufe wie „Allahu Akbar“ (aber die stammten vielleicht von besorgten Passanten, die mit „Gott ist größer“ schlicht ihre Missbilligung des teilweise ungezogenen Verhaltens der Partygäste demonstrierten) und „A.C.A.B.“ (was mitunter als „All cops are bastards“ erklärt wird, aber in diesem feierlichen Rahmen vielleicht nur zeigt, dass die zum Teil noch kindlichen Event-Fans die rockige Kult-Band ihrer Eltern, AC/DC, leicht fehlerhaft memoriert hatten).

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Ebenso habe sich die Kleidung geändert. „In den 60er Jahren trug man zur Party noch eher schick, in den 70er Jahren eher poppig, dann dominiert eine Zeit lang punkig, später feierte man Hip-Hop-mäßig in Baggy Pants. Heute sind Sturmhauben oder Hoodies ein absolutes Must.“

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Größer geworden sei die gesellschaftliche Breite von Partys. „Früher feierten einzelne Gruppen eher unter sich. In Stuttgart hat man in der Nacht auf Sonntag gesehen, dass man sich viel stärker integriert.“

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Dazu verwies Pierre auf einen Artikel der „FAZ“,  laut dem von 24 Personen, die von humorlosen Polizeibeamten in der Nacht festgenommen worden waren, zwölf die deutsche Staatsbürgerschaft hatten, darunter drei aus Einwandererfamilien stammend, und die anderen zwölf Verdächtigen Ausländer waren.

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Ebenfalls in der „FAZ“ wird der stellvertretende Stuttgarter Polizeipräsident Berger mit den Worten zitiert, unter den „Randalierern“ (gemeint sind offenkundig die Partygänger*innen) seien Flüchtlinge gewesen, aber ebenso Deutsche, Italiener, Iraker, Bosnier: „Es war ein bunter Mix rund um den Globus.“ Tja, viel los auf der Stuttgarter Party-Meile.

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Pierre sieht darin einen Beleg für die „Aufgeklärtheit der Partyszene“. Während bei der Polizei laut der SPD-Vorsitzenden Saskia und der „taz“ mit strukturellem Rassismus zu rechnen sei, „wird in der Partyszene Multikulturalismus gelebt. Deutsche werden erkennbar integriert, Linksextremisten offenkundig ebenso wie Rechtsextremisten, Antifa wie Neonazis. Hauptsache, es geht gegen den Staat – das ist die neue Partyszene.“

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Und weiter: „Partys sind noch mehr zum Event geworden. Dazu gehört das Zerschlagen von Schaufensterscheiben, und zwar ohne jeden Klassendünkel. Juwelier*innen-Geschäfte und Smartphone-Läden werden in diese Zerstörungsorgie ebenso integriert wie Ein-Euro-Shops.“ Pierre warnte vor polizeilicher Überreaktion. „Klar, da wird mitunter über die Stränge geschlagen. Aber, hey, YOLO, you only live once, it’s partytime! Und zudem ist das auch ein Stück weit reflektierte Auseinandersetzung mit den Missständen im Kapitalismus. Warum ist der eine obdachlos und der andere Besitzer oder Geschäftsführer eines Geschäfts mit hochpreisigen Produkten? Also, bitte, deeskalieren, nicht gleich zurückschlagen!“

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Im Übrigen seien „die Täter*innen ja vor allem zwischen 18 und 21 Jahre jung. Und gerade weil die Grünen vernünftigerweise fordern, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken, sollten wir die Strafmündigkeit auf 25 hochsetzen. Wir können den Kids, die ja die Schwächsten in unserer Gesellschaft sind und besonders lange unter den Folgen des Klimawandels leiden werden, nicht an allen Fronten gleichzeitig die Bürde des Erwachsenseins aufzwingen“, mahnte Pierre.

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Darum lauten die neuen Definitionen der Stuttgarter Hoddwolee fir deidsch schwätze:

Party – fröhliche Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten, bevorzugt in Innenstädten;

Partyszene – wer dazu gehört, ist strukturell minderjährig und hat Anspruch auf deeskalierendes Verständnis der Polizei und der Politik:

Partygeschehen – feiern, randalieren, Bullen klatschen. (PAN)

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