Regierungspolitiker in Berlin sind stinksauer auf den Inhaber eines Restaurants in Ostfriesland, bei dessen Wiedereröffnung es zu etlichen Neuinfektionen mit dem Corona-Virus kam. Die Erlaubnis, Restaurants mit bestimmten Auflagen wieder zu betreiben, müsse überprüft werden. Dem Vernehmen nach denken Berliner Kreise nun über ein ganz neues Konzept nach.

Einig scheint man sich im Urteil über die offenkundigen Verstöße gegen Abstandsregeln in dem Lokal in Jheringsfehn im Landkreis Leer. „Das ist doch unaussprechliche Provinz! Und dann noch Ostfriesland! Typisch!“, soll der Generalsekretär des Büros des ständigen Ausschusses des Corona-Kabinetts der Bundesregierung in einer nichtöffentlichen nächtlichen Krisensitzung in der Parlamentarischen Gesellschaft des Bundestags ausgerufen haben. Er habe zum Nachweis der Erwartbarkeit einer solchen Panne seinen fünf oder sechs Begleitern „schulterklopfend und über den Tisch prustend“ drei oder vier „mittelmäßige bis gute Ostfriesenwitz aus der Gastro-Szene“ erzählt haben, erinnert sich ein zufälliger Gast in der Parlamentarischen Gesellschaft, einem gepflegten Restaurant samt Kellerbar für Abgeordnete. Darunter: Zwei Ostfiesen sitzen in einem Restaurant am Tisch neben einem Spiegel. Der eine: „Guck mal, die da drüben sehen so aus wie wir.“ -„Ja, ich glaub, die sind aus unserem Dorf. Ich geh‘ mal fragen.“ Darauf der andere: „Setz dich wieder, der eine kommt schon!“

Die Konsequenz des Fehlverhaltens in Ostfriesland: Manche Lockerungen werden möglicherweise zurückgefahren, mehr Freiheit für die Gastronomie soll es zunächst nicht mehr auf dem flachen Land geben, sondern nur noch im hochurbanen Milieu. „Das soll jetzt keine Gefühle verletzten, aber in Großstädten sind die Menschen aufgeklärter und klüger“, so die Begründung aus dem Corona-Kabinett. Und hinter vorgehaltener Hand wird angesichts der von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) angekündigten Aufhebung des Lockdowns in Thüringen nachgeschoben: „Ob die Thüringer viel besser sind als die Ostfriesen werden wir sehen – Osten bleibt Osten.“

Darum kämen jetzt zunächst einmal Berliner Restaurants an die Reihe, denen man bei der Einhaltung der Auflagen mehr Verantwortungsbewusstsein zutraue. Zu den ersten Anwärtern gehöre eine populäre Snack-Bar mit veganen Speisen in Berlin-Kreuzberg. Deren Inhaber, ein gewisser Atilla Hildmann, war für ein Statement zunächst nicht zu erreichen. Aus seinem Umfeld hieß es aber, Vertreter der „Pharma-Mafia“, aus dem „Bill-Gates-Umfeld“ oder der „dunklen Mächte“, die nach seiner Wahrnehmung zunehmend die Regierung in Berlin übernähmen, seien als Gäste „nicht willkommen“. (PAR)